Frostnächte im April

Zwetschgenblüten nach Frost 2017

Liebe Gemeinschaft,

das Zittern scheint ein Ende zu haben – und damit meine ich nicht das Zittern vor Kälte! Tatsächlich haben wir in den zurückliegenden Nächten gebangt um die diesjährige Obsternte, oder zumindest um große Teile davon. Denn eben solche großen Teile unserer Ertragspflanzen, Steinobst, Kernobst, und Beerensträucher, befinden sich gerade in Blüte. Blüten und Fruchtansätze sind jedoch recht frostempfindlich, so dass es in den zurückliegenden Nächten auf der Kippe stand, ob sie Schaden nehmen würden. Hierüber entscheiden dann womöglich ein oder zwei Grad, meist zum Ausgang der Nacht und in den Morgenstunden. Nach Kerstins und meinen vorsichtigen Prognosen waren die zurückliegenden Fröste jedoch offenbar gerade an der Grenze des für die Pflanzen Erträglichen …
Bereits in zurückliegenden Gartenjahren hatten wir die schmerzhafte Erfahrung von Ernteeinbußen durch Spätfröste machen müssen: 2017 nahezu Totaleinbuße, und im letzten Jahr 2020 waren Teile der Zwetschen, Kirschen, manche Birnen und nahezu alle Quitten betroffen. Auch die frühen Johannisbeeren und Josta blieben im letzten Jahr (fast) ohne Ertrag. Damals, im April 2020, waren die Frostnächte etwas heftiger und rund eine Woche früher, trafen allerdings auf eine bereits weiter entwickelte Vegetation als in diesem Jahr. Neben den Blüten war da auch der Austrieb von Wein, Khaki, Walnuss, Esskastanie und Kiwi betroffen. Ein späterer Neuaustrieb rettete die Pflanzen, blieb aber meist ertraglos.

Für Obstbauern sind diese Erfahrungen bitter! Selbst mit einer Solawi im Rücken, die solidarisch die finanziellen Einbußen auffängt, ist es doch sehr unbefriedigend, die eigene Arbeit zerstört zu sehen und nicht im gewünschten Maß Obst an die Gemeinschaft geben zu können. Anders als in vielen anderen Berufen ist man weitgehend hilflos „höherer Gewalt“ ausgeliefert. Gegenmaßnahmen gegen Fröste, wie z.B. Frostberegnung, sind aufwendig, nur bedingt erfolgversprechend und in unserem Betrieb kaum durchführbar. Und mit künftigen Verschlimmerungen der Gefahr von Spätfrösten in unserem Bereich im Zuge des Klimawandels muss gerechnet werden, so das verkürzte Fazit eines Beitrags in den Mitteilungen des LW-Ministeriums B.-W. zu besagtem Thema, den ich für Interessierte beifüge.

Wir grüßen alle herzlich mit dem dankbaren Gefühl von „wahrscheinlich gerade nochmals gut gegangen“ und hoffen auf ein ertragreiches Obstjahr,

Kerstin und Michel

Permakultur in Neckarhausen: Ein Waldgarten entsteht

Louise beim Einladen der Sträucher

Ein Verein in Edingen-Neckarhausen hat im Januar auf einem Wiesengrundstück begonnen, einen “Waldgarten” nach Grundsätzen der Permakultur anzulegen. Bei der Permakultur wird darauf geachtet, natürliche Ökosysteme und Kreisläufe in der Natur genau zu beobachten und nachzuahmen, so dass sich das System selbst erhält – und Tier und Mensch nebenbei davon profitieren können.

Rat geholt haben sich die Waldgarten-Initiatoren beim Solawi-Obsthof auf der Rheinau. Die Scherers hat es gefreut, sich bei dem Projekt auf diese Weise zu beteiligen. Sie haben den Verein mit einer Menge Johannisbeer-, Stachelbeer- und Jostabeer-Reisser unterstützt (siehe Foto). Wir sind gespannt, wie wohl sich die Sträucher nach ihrer Umsiedlung fühlen und freuen uns auf Neuigkeiten im Frühjahr.

Der Link zum Artikel:

https://www.morgenweb.de/mannheimer-morgen_artikel,-edingen-neckarhausen-edingen-neckarhausen-ein-allmende-waldgarten-entsteht-_arid,1749697.html

Mannemer Keschde – erstmals Esskastanien vom Obsthof

 

Esskastanien vom Obsthof

Zugegeben eine kleine Menge – aber herrlich anzuschaun: Die ersten Esskastanien, die der Obsthof an die Solawi abgeben konnte. Endlich hat ein bereits rund 20-jähriger Baum in diesem Jahr so viel Ertrag, dass ein paar Mitglieder mit seinen Früchten versorgt werden konnten. Während Esskastanien als „Zukunftsbäume“ auf Versuchsflächen im Rheinauer Dossenwald aufgeforstet werden, weil sie als hitze- und trockenheitsverträglich gelten, handelt es sich bei den Bäumen von Scherers um selektierte Fruchtsorten. Marigoule, Dorée de Lyon und Belle Epine bestechen durch überdurchschnittliche Fruchtgrößen. Weil sie genügsam und wenig anfällig sind, zugleich wertvolle spätblühende Trachtpflanzen für die Bienen, hat Michel in den letzten Jahren weitere Bäume gepflanzt sowie zuletzt rund 20 Sämlings-Unterlagen aufgeschult, die nach und nach veredelt werden sollen, eine Zukunftsinvestition, auch mit Blick auf die Solawi.

Leckere Marmelade zum Ernteabschluss

Mit dem Abschluss der Aronia-Ernte im September ist unsere Erntezeit auf dem Obsthof zu Ende gegangen. Das heißt aber nicht, dass wir nichts mehr zu tun haben – die Pflegearbeiten dauern noch den Herbst über an.

Die Beeren der „Aronia melanocarpa“ waren bisher eingefroren, da noch nicht ausreichend Gläser aus den Depots da waren. Die „schwarze Apfelbeere“ gehört übrigens zur Familie der Rosengewächse. Sie schmeckt herb-säuerlich und ist aufgrund ihres Blausäuregehalts nicht zum rohen Verzehr in größeren Mengen geeignet. Stattdessen haben Ursula und Petra sie jetzt mit Fallobst zu Aronia-Apfel-Marmelade im Reiterhaus verkocht.

„Kleine Feinheiten“ auf dem Obsthof

Die „Hoch-Zeit“ der großen Erntemengen neigt sich dem Ende entgegen. Die Himbeeren, Kirschen, Pflaumen, Trauben und Co. sind weitgehend geerntet. An Quitten, Kiwis und Birnen (und Johannisbeeren) ist sehr wenig oder leider gar nichts zu erwarten, denen hatte der Frost im Frühjahr zu sehr zugesetzt 🙁

So widmen wir heute unsere Aufmerksamkeit den „kleinen Feinheiten“, von denen wir euch ein paar zeigen möchten.

Die Kornelkirsche

Das sagt Michel, unser Obstbauer dazu: „Kornelkirschen sind eine Wildobstart, botanisch nicht mit Kirschen verwandt, sondern ein Hartriegelgewächs. Wir haben auf dem Obsthof Frucht-Selektionen dieser Obstart im Anbau, die Sorten “Kasanlaker” und “Jolico”. Sie tragen viel Vitamin C in sich. Man muss sie lange am Strauch lassen, bis sie dunkelrot sind und ihre Süße entwickeln – vorher schmecken sie zu streng, da sie viele adstringierende Stoffe in sich tragen. Probiert sie einmal – dann merkt ihr die „zusammenziehende“ Wirkung! Es lässt sich aus diesen Kirschen eine tolle Marmelade machen – oder sie wird wie „falsche Oliven“ eingelegt – es geht also auch salzig. Im Frühjahr stellt die frühblühende Kornelkirsche eine wichtige Trachtpflanze für Bienen dar.“

Wir sind der Meinung, sie sind eine Kostprobe wert. Leider reicht die Menge nicht für die Versorgung eines ganzen Depots – es mögen diejenigen zugreifen, die sie gerne einmal zubereiten und ausprobieren möchten. Aber wer die Augen offenhält, begegnet dieser Kirsche sicherlich auch anderswo.

Der Sanddorn

Auch diese Pflanze dürfte euch bekannt sein: der Sanddorn gedeiht wunderbar auf trockenen, sandigen Böden. Auch diese Beere hat einen hohen Vitamin C – Gehalt und wird häufig zu Marmeladen und Sirup verarbeitet.

-> Und noch ein paar weitere „kleine Feinheiten“ vom Obsthof 😉

„Apfelerntehelfer“ der besonderen Art – Die Pferde helfen sehr gern mit bei der Apfelernte. Sie sind aber nicht wirklich bereit, ihre Ernte mit uns zu teilen und futtern gleich alles auf, was auf dem Boden landet.
Wachteleier – Wir Obsterntehelfer kommen manchmal in den Genuss dieser kleinen, feinen Kostbarkeiten 🙂 Allein der Anblick ist immer wieder schön.
Minigurken – Kerstin meint dazu: „Diese kleinen, ca. zwei Zentimeter großen Gürkchen fallen einem im Vorbeigehen vom Strauch direkt in den Mund” 😉
Die zwei „neugierigen Neuen”
Und zum Schluss: so wunderbar kann Fallobst schmecken.

Interesse am Ernten und Pflegen auf dem Hof? Schau mal hier -> https://solawi-malu.de/obsternte/

Solidarische Grüße vom Obsthof